Symposium UK/USA 2016

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Changes and Challenges: The US, the UK and the Classroom

Der Titel war auf jeden Fall gut gewählt: Vom Großen zum nicht ganz so Großen zum Kleinen – aber in diesem Fall nicht zum Unwichtigen!

Handelt es sich doch bei diesen Symposien um Veranstaltungen zur Fortbildung von Gymnasiallehrern, die das IFA jedes Jahr anbietet, im Turnus für alle Sprachabteilungen. Und hier soll natürlich die „Classroom Challenge“ im Mittelpunkt stehen!

Diese Fortbildung ist beliebt bei den Gymnasiallehrern, die gerne und zahlreich kommen, trotz der Arbeitsbelastung gerade wenige Wochen vor dem Abitur. Für sie ist es sicher eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag, denn gerade Lehrende brauchen öfters auch einmal Input, neue Ideen und Impulse.

Für die jeweilige Sprachabteilung am IFA ist es ebenfalls eine Abwechslung zum Schulalltag -  ob immer ganz so willkommen, sei hier mal dahingestellt.

Wie dem auch sei: Die Organisation war wie immer hervorragend! Der Aufgaben sind viele: Planung der Themen, Einladungen verschicken und Anmeldungen entgegennehmen, üppigen Blumenschmuck besorgen, Einchecken, Betreuung und Catering am Tag der Veranstaltung, und vor allem: die Beiträge der Dozentinnen und Dozenten in den Focus Sessions. Aber davon später.

Übrigens fiel mir kürzlich bei einer kleinen Umfrage unter Prüfungskandidaten auf, dass Eventmanagement ein Bereich ist, in den einige gehen möchten. Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal Praktikumsplätze anbieten …

Also, alles war gut vorbereitet, die Lehrerinnen und Lehrer hatten den Weg in Hörsaal C gefunden (etliche kannten ihn noch von ihrem Studium in Erlangen), Lehrkräfte vom IFA sowie einige Studierende waren ebenfalls anwesend (Landeskunde!), und nach einigen freundlichen Worten von Dr. Gossel und Herrn Cunningham kam Tagesordnungspunkt 1: Keynote Speech von externem Gast.

Der Gast war ein illustrer: Prof. Dr. Paul S. Rundquist. Als Senior Researcher im wissenschaftlichen Dienst des US-Kongresses ist er ein ausgewiesener Kenner der Strukturen und Funktionen von Parlamentarismus sowie des parlamentarischen Alltags. Professor Rundquist hat an verschiedenen amerikanischen Universitäten gelehrt. Er hält regelmäßig Vorlesungen zum Thema "American Politics and Government", zum Beispiel am Deutsch-Amerikanischen Institut Nürnberg, und leitet Ausbildungsseminare für die Lehramtsausbildung an Gymnasium.

Sein Thema, wie konnte es anders sein: Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA. Der Titel: „Candidates, Issues and the Media“.  Zunächst erfolgte ein typisch angelsächsisch-lockerer Einstieg mit Anekdoten aus der Biographie und einer gehörigen Prise Entertainment und Humor. Der Vortrag war gespickt mit vielen Insiderinformationen. Man hätte Professor Rundquist gerne noch viel länger zugehört, und zu diesem Thema hat natürlich jeder viele Fragen – vor allem die geschätzten Kollegen Kirk Rogers und Lawrence Davies – doch leider ließ die straffe Agenda nur wenig Raum für weiterführende Diskussion.

Dann wurde es kompliziert: Sechs ‚Focus Sessions‘ (da habe ich auf jeden Fall ein neues Wort gelernt) von Dozentinnen und Dozenten des IFA, jeweils parallel, und das drei Mal hintereinander, also sehr anstrengend für die Dozierenden. Es war ein ausgeklügelter Modus, der dafür sorgte, dass jeder drei Sessions besuchen konnte, die er sich vorher ausgesucht hatte – und es klappte!

Auch ich konnte nur drei Sessions besuchen, von denen ich hier kurz berichten möchte:

Christine O’Donnell und Julia Michel: „Interpreting in English language teaching“

Viele Lehrer haben sich sicher bisher nicht mit dem Thema ‚Dolmetschen‘ auseindergesetzt, denn es ist normalerweise nicht Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts. Christine O’Donnell erläuterte zunächst, was Dolmetschen ist, welche Arten es gibt, worauf es dabei ankommt und wie man es möglicherweise gelegentlich als Übung zur mündlichen Sprachbeherrschung und zur Wiederholung von gelerntem Landeskundewissen einsetzen könnte. Dann kam eine Demonstration, bei der Julia Michel Fragen aus dem Publikum und die Antworten von Frau O’Donnell dolmetschte und das Publikum zweifellos beeindruckt war. Nach anfänglicher Zurückhaltung wurde die Beteiligung immer reger, und selbst als die Lehrer anschließend in Gruppen selbst dolmetschen sollten, klappte das wunderbar. Ich will ehrlich sein, ich hatte befürchtet die Hemmungen würden sicher zu groß sein, aber da habe ich unsere bayrischen Gymnasiallehrer gründlich unterschätzt! Interessant wäre, wie viele von ihnen diese Anregungen tatsächlich in die Tat umgesetzt haben, und ob sich ihre Schüler darüber freuen oder die Veranstaltung verfluchen, bei der ihre Lehrer auf diese neue Idee gekommen sind …

Nach der Mittagspause:

Kate Rothenstein: „The changing Face of Education. Keeping up with the English education system”

Der zweite Satz sagt alles. Angesichts der ständigen Änderungen ist es sehr schwer, hier auf dem Laufenden zu bleiben. Oder, in den Worten von Kate Rothenstein: „Once you think you’ve cracked it, it all gets changed again.” Frau Rothenstein erläuterte einen komplexen Sachverhalt gut verständlich und mit viel Charme, die Session war äußerst informativ und kurzweilig. Unsere Studierenden können sich glücklich schätzen, eine so tolle Lehrerin zu haben.

Olivia Rainsford: „Making Sense of the Tense”

Jetzt fing ich allmählich an, mich wie unsere Studierenden in der zehnten Unterrichtsstunde zu fühlen. Und da muss Frau Rainsford her! Sie schafft es, auch vermeintlich langweilige Grammatikthemen wie die Zeiten im Englischen unterhaltsam wie eine Quizshow zu vermitteln – ach was: wesentlich unterhaltsamer als jede Quizshow! Es gab viele praktische Anregungen und auch Material für classroom games und so kann man mit Sicherheit sagen, dass in diesem Fall kein Schüler die Veranstaltung verfluchen wird, bei der ihre Lehrerin / ihr Lehrer auf diese neuen Ideen gekommen ist.

Die anderen drei Focus Sessions waren:

Peggy Davies-Brown: „Hispanics in the US. The majority minority?“

Schade, da hätte ich auch gerne teilgenommen. Viele unserer Gäste taten sich sicher genauso schwer mit der ‚Qual der Wahl‘. Nach allem, was man hört, war auch diese Präsentation äußerst spannend. Man kann sich zwar ein Skript schicken lassen, wie von allen Beiträgen, aber das ist natürlich nichts gegen einen interessanten Lehrervortrag. (Lest das und gebt mir Recht, liebe IFA-Studierenden).

Valerie Hellmann: „Living with peace in Northern Ireland”

Ein Symposiums-Klassiker. Auch hier hätte ich sehr gerne ein Update gehört, gerade weil man zum Glück nicht mehr so viel von Nordirland hört. Frieden ist den Medien keine Meldung wert. Dabei ist es ja gerade die interessante Frage, wie nach Jahrzehnten der Konflikte die Bevölkerungsgruppen zusammenleben, inwieweit alter Hass besiegt und Vorurteile abgebaut werden können … Ich denke, ich sollte einfach mal hinfahren. Bei der nächsten IFA-Fahrt nach Nordirland bin ich dabei!

Last, but not least:

Lawrence Davies und Irene Weinberger vom Gymnasium Oberhaching: „Register in Language: Language wearing a dinner jacket or t-shirt and jeans?”

Hier hat sich jemand alleine schon mit dem Titel Mühe gegeben, etwas Interessantes zu bieten. Es ging um verschiedene Stilebenen, also die Differenzierung etwa zwischen Slang, umgangssprachlich, förmlich, Geschäftssprache oder literarischer Stil. Diese Unterscheidung fällt einem Nichtmuttersprachler nicht immer leicht,  und ein Fehlgriff kann Reaktionen von Befremden bis Heiterkeit auslösen. Merkwürdig nur, dass die Teilnehmer laut Herrn Davies am meisten am Thema ‚Fluchen‘ interessiert waren.

Man sieht also: Es war für jeden etwas dabei.

Fazit: Das Symposium 2016 war eine durch und durch gelungene Veranstaltung, mit vielen guten Ideen, engagierten Helfer und begeisternden Dozentinnen und Dozenten in den Focus Groups. Die Stimmung war gut und es gab positives Feedback von den Teilnehmern, die frisch gewappnet für den täglichen Classroom Challenge an ihre Schulen zurückgingen.

Christine Eglmaier